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Image: Zur ARD-Reportage am 3. September

Zur ARD-Exklusiv Sendung „Wie billig kann Bio sein?“

5.9.2012


Die Sendung „Wie billig kann Bio sein?“ im Ersten Deutschen Fernsehen (ARD ) am späten Montagabend (3. September) hat berechtigterweise für einige Unruhe in der Bio-Szene und vor allem auch bei Bio-Kunden ausgelöst. Dazu nachfolgend eine Stellungnahme der Naturata.

Vorab möchten wir klarstellen: Keiner der Betriebe der OIKOPOLIS-Gruppe (BIOG, Biogros und Naturata) hat eine direkte oder eine indirekte geschäftliche Beziehung zu einem der in dem Film genannten Herstellern oder Händlern.

Natürlich ist die im Film gestellte Frage „Wie billig kann Bio sein?“ sehr berechtigt. Die in der Sendung dargestellten Fakten sprechen für sich. Und doch sind diese Fakten etwas einseitig dargestellt. Dass es diese gezeigten Missstände gibt, ist leider eine Tatsache, aber nicht die Wirklichkeit der Bio-Landwirtschaft insgesamt. Dass es aber auch das Gegenteil gibt, wurde ja dann zum Schluss am Beispiel der Herrmannstorfer Werkstätten in Bayern gezeigt. Nur hier sollte man auch wissen, dass dieser absolut vorbildhaft geführte Betrieb eine Ausnahme ist, der auch nicht die gängige Realität der biologischen Landwirtschaft wiederspiegelt. Der ganze Hof wurde von Herrn Schweißfurth, dem früheren Gründer des Herta-Konzerns (Fleischwaren) und Vater des im Film auftretenden Landwirts, mit sehr hohem finanziellen Aufwand aus dem Boden gestampft, nach dem er einen Teil seiner Herta-Aktien verkauft hatte. Die weitaus größte Anzahl an Bio-Betrieben hat nichts mit diesen beiden im Film dargestellten Extremen zu tun. Weder das Bild der extrem tierquälerischen Massenhaltung, noch das des etwas nostalgischen Bildes des Bio-Bauern, der nur alles Gute tut für seine Tiere, entsprechen der ganzen Wirklichkeit.

Trotz dieser Einseitigkeit des Films, zeigt er doch offen und klar auf einen wunden Punkt, der die Biolandwirtschaft bedroht und zunehmend in Bedrängnis bringt: Es sind die konventionellen Supermarktketten und Discounter, die das Geschäft mit Bio-Produkten entdeckt haben und mit ihrer Marktmacht einen starken Preisdruck auf die Bio-Erzeuger ausüben. Auch hier gibt es Unterschiede, man kann nicht alle konventionelle Lebensmittelhersteller und –Händler in einen Topf werfen. Nur zwei Beispiele sollen einfach mal hier erwähnt sein: Eine französische Kette nutzt regelmäßig den widersprüchlichen Werbeslogan „le Bio moins cher….c’est ça le discount reponsable“ und zeigt damit deutlich, wie die Marktstrategie aussieht und entspricht genau dem, was im Film berechtigterweise kritisiert wird. Dagegen hat eine Schweizer Lebensmittelkette schon sehr früh auf die Bio-Landwirtschaft gesetzt und durch massive finanzielle Mittel das Bio-Forschungsinstitut „FIBL“ und damit die gesamte Bio-Landwirtschaft im positivsten Sinne unterstützt.

Auch Bio-Hersteller und Naturkosthändler sind nicht einfach über einen Kamm zu scheren. Da gibt es die, die erklärtermaßen die „Preisführerschaft“ im Bio-Bereich beanspruchen, was natürlich nichts anderes als Preisdruck auf die Landwirte zur Folge hat, und solche, die sich redlich bemühen zum Beispiel über den Weg von Markgesprächen korrekte Preise für alle in der Wertschöpfungskette zu erzielen.

Auch wir in der OIKOPOLS-Gruppe bemühen uns in diese Richtung. Gemeinsam mit den Bio-Bauern arbeiten wir an Marktstrukturen, die Zustände, wie sie in dem Fernsehbericht dargestellt wurden, verhindern.

A.S.