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Abb.: Prof. Dr. Christoph Strawe

OIKOPOLIS am Dialog: TTIP aus der Sicht der sozialen Dreigliederung

4.8.2016


Am 29. Juni war Prof. Dr. Christoph Strawe Gastredner in der Vortragsreihe OIKOPOLIS am DIALOG und beleuchtete das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) aus Sicht der sozialen Dreigliederung.

Die soziale Dreigliederung

Der Begriff der „sozialen Dreigliederung“ wurde einst von Rudolf Steiner eingeführt, findet seine Wurzeln also in der Anthroposophie. Entsprechend seiner Einsichten in die sozialen Verhältnisse unterscheidet Steiner drei unterschiedliche Lebensbereiche, nämlich das Geistesleben, das Rechts- und das Wirtschaftsleben, die sich in der Wirklichkeit jedoch immer gegenseitig durchdringen. Diese drei Bereiche bringt er in Verbindung mit den Idealen der französischen Revolution, nämlich Freiheit im Geistesleben, Gleichheit im Rechtsleben und Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben. Die drei Bereiche sind dabei als autonom und gleichwertig anzusehen und sollten aus der Sicht Steiners jeweils eigene Verwaltungsorgane haben. Davon sind wir nach wie vor weit entfernt, wenn wir bedenken, dass die Lobbyisten der Wirtschaft allzu oft das staatliche Rechtsleben entsprechend ihrer Interessen beeinflussen, sodass die einzelnen Menschen ungewollt in Abhängigkeiten geraten, die sie nicht unbedingt in ihrer freien Entfaltung fördern.

Die Handelsabkommen

Durch unterschiedliche Handelsabkommen, die zwischen einzelnen Ländern ausgehandelt werden, wird die Selbstbestimmung der Gesellschaft weiter eingeschränkt – der ökonomische Vorteil der beteiligten Länder steht schließlich im Vordergrund.

Das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP, das Handelshindernisse zwischen den USA und Europa beseitigen soll, wurde bereits Anfang der Neunzigerjahre vorbereitet. Seit 2013 werden konkrete Details verhandelt, und noch in diesem Jahr soll es zum Vertragsabschluss kommen. Der Mangel an Transparenz und befürchtete Nachteile für das demokratische Europa führen jedoch zu einer massiven Ablehnung des Abkommens durch die Gesellschaft. Neben dem Handelsabkommen mit den USA steht zurzeit zusätzlich ein Handelsabkommen mit Kanada (CETA) in Diskussion.

Diese Abkommen sind als Folge der Globalisierung und des rasanten Fortschritts der Technik anzusehen. Die Wirtschaft beruht längst nicht mehr auf der Landwirtschaft, sondern auf einer rationellen Industrie und einem weltumspannenden Handel, der nach größtmöglichen Gewinnen strebt.

Staat, Wirtschaft und Gesellschaft

Parallel zum Handel entwickelt sich die Gesellschaft immer mehr in Richtung Selbstbestimmung, sucht die Individualität und Freiheit. Doch auch in den demokratischen Ländern werden die meisten wichtigen Entscheidungen vom durch die Interessen der Wirtschaft geprägten Staat und nicht etwa durch die demokratische Einbindung der Gesellschaft getroffen. So beeinflussen Handel und Wirtschaft auch das Bildungswesen, das Kultur- und das Rechtswesen. Der Staat übernimmt eine „Nanny-Funktion“, anstatt der Gesellschaft Eigenverantwortung zuzusprechen, die Demokratie zu unterstützen und zu fördern.

In der Geschichte Europas gab es schon viele Abkommen, die teils umgesetzt wurden und teils gescheitert sind. Wirtschaft und Macht sind die treibenden Kräfte. Wer von Anfang an nicht mitmacht und die Regeln nicht mitbestimmt, dem werden sie später vorgesetzt und diktiert…