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Abb.: Jean-Michel Florin

Vincent van Goghs Weg zur Sonne - Vortrag von Jean-Michel Florin

12.4.2016


Jean-Michel Florin, der seit fast dreißig Jahren im Bereich der biodynamischen Landwirtschaft tätig ist und seit 2010 als Co-Leiter der Landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum in Dornach (Schweiz) arbeitet, ist ein begeisterter Anhänger Vincent van Goghs. Seit rund zwanzig Jahren beschäftigt er sich bereits mit den Werken dieses niederländischen Künstlers und wollte seine Begeisterung für diesen recht außergewöhnlichen Maler im Rahmen der Veranstaltungsreihe OIKOPOLIS am Dialog mit uns teilen.

Van Goghs Werke im Laufe der Zeit

Im Laufe seiner kurzen Schaffenszeit lässt sich die künstlerische Entwicklung van Goghs, die Veränderung seines Pinselstrichs und die Suche nach der Kraft des Lebendigen genau erkennen. Aus den anfänglich sehr düsteren Bildern, die durch ihre Schwere ein bedrückendes Gefühl vermitteln, werden mit der Zeit lebendige, warme Bilder: Bilder, die uns berühren und die versuchen, die Kräfte der Natur auf die Leinwand zu bannen.

Sein Vorbild

Das große Vorbild van Goghs war Jean-François Millet, ein französischer Maler, der in stimmungsvollen Gemälden das Landleben idealisierte. Van Gogh orientierte sich stark an diesen idyllischen Werken, kopierte sie, war mit dem Ergebnis aber nie zufrieden. Er verfügte nicht über die Technik Millets, malte dafür aber Bilder, die durch ihre Ehrlichkeit berühren.

Schwarz und leuchtend gelb

Die ersten Zeichnungen und Bilder van Goghs verdeutlichen die Last, die auf der hart arbeitenden Landbevölkerung liegt. Diese Menschen werden vom Himmel erdrückt, leben in einer Art Käfig und haben die Verbindung zur Natur, zur Erde und zum Himmel fast komplett verloren. Diese Bilder sind dunkel, freud- und hoffnungslos. Im Laufe der Jahre bricht aber auf van Goghs Gemälden immer wieder die Sonne durch. Die Weizenfelder erstrahlen in einem warmem Gelb, und ein kraftvoller, lebendiger Pinselstrich spiegelt die Kräfte der Natur wider.

Viel Technik erdrückt

Van Gogh bemerkte schon damals, dass die Technik weder Freundschaft noch Liebe ersetzen kann. Sie legt dem Menschen Ketten an, schränkt ihn in seiner Freiheit ein und führt in die Einsamkeit. Die lebendige Erde mit ihren Getreideähren, Blumen oder Früchten spendet jedoch Licht und Wärme.

Irgendwie erinnert uns diese Einsicht dann auch an unsere Zeit, in der viele Menschen den Bezug zur Natur verlieren, sich jedoch bestens mit den technischen Errungenschaften auskennen und dabei ihr Umfeld immer weniger wahrnehmen.