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Abb.: Matthias Zaiser

Eine Initiative zu mehr Verantwortung für landwirtschaftliche Böden

21.7.2015


Am 01. Juli war Matthias Zaiser Gastredner in der Vortragsreihe „OIKOPOLIS am Dialog“. Er stellte uns die „Aktion Kulturland“ vor, eine Stiftung, die vor rund 30 Jahren in Norddeutschland ins Leben gerufen wurde, um die Verbindung von Landwirtschaft und Ökologie auf Bauernhöfen zu fördern. Dabei soll eine naturschützende Landbewirtschaftung unterstützt werden, die zur Wiederherstellung von Naturzusammenhängen, zur Vergrößerung der Artenvielfalt und zur Neugestaltung der Landschaft aktiv beiträgt. Seitdem kauft die „Aktion Kulturland“ landwirtschaftliche Flächen auf und verpachtet sie zu fairen Preisen an interessierte Bio-Landwirte aus der nahen Umgebung. Auf diese Weise entzieht die „Aktion Kulturland“ den Boden der Vererbung und Spekulation und ermöglicht den Bio-Bauernhöfen, ihre Fläche unter fairen Konditionen zu erweitern.

Da landwirtschaftliche Flächen mittlerweile als Wertanlage betrachtet werden, sind die Pachtpreise seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 überall stark angestiegen. Das Überleben und die Entwicklung landwirtschaftlicher Bio-Betriebe wird somit deutlich erschwert. Die wenigsten Landwirte sind nämlich Landeigentümer - die meisten bewirtschaften Pachtboden. Bei der „Aktion Kulturland“ ist der Pachtpreis jedoch vom spekulativen Bodenpreis losgelöst. Der Boden wird also für die Landwirte wieder erschwinglich.

Matthias Zaiser, der sowohl eine landwirtschaftliche als auch eine wirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen hat, ist Vorstandsmitglied der „Aktion Kulturland“. Er arbeitet neue Projekte aus, vermittelt zwischen Förderern und Landwirten - und steht diesen beratend zur Seite. Im Fokus der „Aktion Kulturland“ steht aber nicht nur die Förderung der biologischen Landwirtschaft sowie der Schutz und Erhalt der landwirtschaftlichen Flächen - auch die kulturelle und soziale Entwicklung der ländlichen Umgebung sind von großer Bedeutung.

Während Jahrtausenden produzierten die Bauern nicht nur Lebensmittel. Sie waren Teil der Natur und kultivierten unsere Pflanzensorten und Tierrassen. Heutzutage gehen jedoch immer mehr landwirtschaftliches Wissen, alte Pflanzensorten und robuste Nutztierrassen verloren. „Künstliche“ Hybridpflanzen, die ihre Eigenschaften nicht an die Folgegeneration weitergeben, gewinnen Oberhand. Sie bringen die natürliche Evolution zum Stillstand und machen die Bauern abhängig von den industriellen Dünger- und Saatgutkonzernen. So wird die konventionelle Landwirtschaft mittlerweile stark von der Technik und einer industriellen Wirtschaft kontrolliert.

Um aus dieser Situation heraus zu kommen, braucht es eine neue Beziehung zwischen der Landwirtschaft und den Menschen, die deren Produkte konsumieren. Die von der „Aktion Kulturland“ geförderten „Kulturlandhöfe“ sind deshalb von großer Bedeutung für ihre Region. Um einen bestimmten Hof zu fördern, werden vor allem Spenden, Schenkungen und Darlehen von Privatpersonen aus der nahen Umgebung des Hofs, gesammelt. Auf diese Weise wird der Kontakt zur regionalen Landwirtschaft gestärkt. Diese findet erneut einen Platz im Bewusstsein der Menschen, weckt ökologisches und landwirtschaftliches Interesse und bereichert das soziale und kulturelle Umfeld.

In den letzten Jahren entstanden neue Modelle mit einer ähnlichen oder gleichen Zielsetzung. So wurde z.B. ausgehend von einem Hof am Bodensee unter Mithilfe von Matthias Zaiser eine Beteiligungs-Genossenschaft (Kulturland eG) gegründet, die für Bio-Bauern Land aufkauft, resp. freikauft, um es ihnen dann günstig zu verpachten. Diese Form der Beteiligung gibt dem sich beteiligenden Menschen eine noch engere Verbindung zu Grund und Boden als z.B. bei der „Aktion Kulturland“. Genaueres zu diesen Initiativen sowie Bilder und Angaben zu den einzelnen Kulturlandhöfen finden Sie auf www.aktion-kulturland.de und www.kulturland-eg.de