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Abb.: Prof. Spehl zum Thema "Wem gehört der Boden?"

"OIKOPOLIS am Dialog": Wem gehört der Boden?

4.6.2015


Die Wirkung des Eigentums im sozialen Zusammenleben

Vortrag und Gespräch mit Harald Spehl


Am 20. Mai war Prof. Dr. Harald Spehl Gastredner in der Vortragsreihe OIKOPOLIS am Dialog. Da das Jahr 2015 zum „Internationalen Jahr des Bodens“ deklariert wurde, wollten wir uns Gedanken machen, wem der Boden eigentlich „gehört“.

„Unser“ Boden

Wir wissen, wie der Boden in unserem Land genutzt wird, wie viel Prozent von Wald bedeckt sind, wie viel Prozent bebaut sind, und wie viele Acker- und Grünflächen vorhanden sind. Wem der Boden gehört, weiß aber keiner so recht, es gibt erstaunlicherweise keine Statistiken dazu. Diesem Geheimnis kommt man somit nicht wirklich auf die Spur, und entsprechend der Recherchen von Prof. Spehl gibt es auch in der luxemburgischen Rechtsregelung (Verfassung) keine konkreten Aussagen zum Thema Boden – höchstens in Verbindung mit unserem Eigentum.

Boden als Ware

In früheren Zeiten war der Boden nicht in Privatbesitz. Er wurde von den Herrschenden in der Regel mit Gewalt in Besitz genommen und als Lehen an die jeweiligen „Untertanen“ vergeben. Des Weiteren gab es die so genannte Allmende (aus dem mittelalterlichen Begriff „al(ge)meinde“), d.h. Boden, der gemeinsam genutzt wurde. Heute ist Boden vorwiegend in Privatbesitz und hat seinen Preis. Er wird gekauft und verkauft und ist Gegenstand von Spekulationsgeschäften. Er wird wie eine „Ware“ behandelt, obwohl wir ihn weder produzieren noch vermehren können. Einige wenige besitzen ihn und bereichern sich auf Grund dieser Eigentumsverhältnisse immer mehr.

Der Boden ist unsere Existenzgrundlage

Dass wir den Boden brauchen, ist klar: Er ist unsere physikalische Existenzgrundlage und die Voraussetzung für unser soziales Tätigwerden. Der Boden ist also dem Prinzip nach keine Privatangelegenheit, sondern die Lebensgrundlage für uns alle. Ihn als Besitz und Ware anzusehen, erscheint somit falsch bzw. ist die Ausgangslage für eine systemische Ungerechtigkeit. Laut Prof. Spehl sollte der Boden der Gesellschaft einfach nur zur Nutzung zur Verfügung stehen. Diese Sichtweise ist natürlich nicht neu; sie wurde bereits von Platon und Rousseau vertreten.

Boden nutzen, nicht besitzen

Boden und Haus sind heutzutage in der Regel eine Einheit. Was wäre aber, wenn man beides trennen würde? Wenn man den Boden, auf dem das Haus gebaut wurde, nicht mehr besitzen, sondern nur noch nutzen würde, der Boden also von der Ware zum neutralen „Nutzungseigentum“ würde?

- In diesem Falle würde der Boden der Spekulation entzogen, er würde der Gesellschaft gehören, und der Nutzer würde für die Nutzungszeit eine Art Bodenrente zahlen.

- Der Nutzungsausgleich würde anschließend der ganzen Gesellschaft zugutekommen.

- Die Nutzung des Bodens müsste natürlich vertraglich geregelt sein und auch vererbt werden können.

- Für den früheren Kaufpreis müsste es einen finanziellen Ausgleich geben.

- Man sollte sich für die Nutzung des Bodens „bewerben“ können, und die Gesellschaft könnte dann entscheiden, ob z.B. eine Schule oder eine Fabrik errichtet würde – je nachdem, was am dringendsten gebraucht wird.

Dies würde wohl der Aussage von Rousseau „Die Früchte gehören euch allen, aber der Boden gehört niemandem“ entsprechen. Prof. Spehl erklärte uns, dass dies in der Theorie auch alles umsetzbar sei. Und in der Praxis?

Erste Modelle in diese Richtung sind z.B. Stiftungen, die Land im Eigentum haben und dieses nutzen lassen, indem sie die Früchte ihrer gemeinnützigen Arbeit zufließen lassen.

Mit seinen Erläuterungen und Ideen regte Prof. Spehl auf jeden Fall zum Nachdenken an…