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Abb.: Das erste Bienenvolk zieht in die OIKOPOLIS ein!

Neue Untermieter in Münsbach: Das erste Bienenvolk zieht in die OIKOPOLIS ein!

28.8.2014


Die Bienen sind da

Am 11. Juli war es endlich soweit: das erste Bienenvolk ist in die OIKOPOLIS eingezogen! Christoph Assel, Filialleiter des NATURATA-Bio-Hofladens auf Windhof und begeisterter Bio-Hobby-Imker, hat ein Ablegervolk seiner Buckfast-Honigbienen hinter dem NATURATA-Laden in Münsbach aufgestellt. Jeder OIKOPOLIS-Mitarbeiter, der sich für das Bienenvolk interessierte, konnte dessen Entwicklung in regelmäßigen Abständen mit verfolgen: Jeff Weydert, Mitarbeiter der NATURATA-Zentrale und ebenfalls passionierter Hobby-Imker, gewährte seinen neugierigen Kollegen jede Woche einen Blick in den regen Bienenalltag und vermittelte eine Menge Wissen zum Thema Honigbiene.

Die Suche nach der Königin

Beim ersten „Bienen-Treffen“ stand natürlich als allererstes die Suche nach der Bienenkönigin auf dem Programm. Ohne Königin und die von ihr gelegten Eier wäre das junge Volk nicht länger überlebensfähig. Ganz ohne Hektik nahm Jeff die Wabenrahmen einzeln aus dem Bienenstock und auf einem der letzten Rahmen, den wir gespannt nach der Königin absuchten, saß sie dann auch. Durch eine rote Markierung gekennzeichnet, konnten wir sie eindeutig erkennen. Der Entwicklung des Bienenvolkes stand nichts im Weg und im Bienenstock gab es ja auch einiges zu tun.

Fleißige Bienen

Das kleine Bienenvolk war sehr fleißig, baute unentwegt Wabenzellen und lagerte eingesammelten Pollen und aus Nektar hergestellten Honig ein. Die Buckfast-Honigbienen lassen sich übrigens durch die orange-braune Färbung des ersten Abdomensegments gut von anderen Honigbienen unterscheiden. Diese Bienenrasse wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in dem Englischen Kloster Buckfast Abbey gezüchtet und findet bei vielen Imkern Zuspruch: die Bienen sind sehr friedfertig und schwärmen nicht so schnell. Auch ohne große Schutzmaßnahmen ist die Gefahr, dass einer der Mitarbeiter gestochen wird, sehr klein.

Jede Woche konnten wir beim Öffnen des Bienenstocks erkennen, dass die Anzahl der Bienen wieder deutlich zugenommen hatte. Die Bienenkönigin hat unentwegt Eier in die leeren Wabenzellen gelegt. Aus den Eiern schlüpften Larven, die sich – von Ammenbienen gefüttert – zu neuen Bienen entwickelten. Hier und da war auch eine Drohne zu sehen, eine männliche Biene. Wir haben gelernt, dass sich Drohnen aus unbefruchteten Eiern entwickeln und leicht an ihrer Größe zu erkennen sind. Ihre Brutwaben sind ebenfalls etwas größer als die der Arbeiterinnen. Sie stechen nicht und verlassen den Bienenstock, um neu geschlüpfte Bienenköniginnen im Flug zu begatten. Im Anschluss sterben sie dann. Drohnen, die sich nach der Befruchtungsperiode im Bienenstock aufhalten, werden nicht länger von den Arbeiterinnen gefüttert und werden schlussendlich aus dem Bienenstock verjagt. Im Herbst darf die Nahrung nicht verschwendet werden: der Honig bildet schließlich den Vorrat für den anstehenden Winter.

Reserven für den Winter

Honig wurde unserem kleinen OIKOPOLIS-Startvolk natürlich keiner entnommen. Hierzu war das Volk einfach zu jung. Das Einsammeln von Pollen und Nektar ist nur auf wenige Monate im Jahr beschränk, und ab August wird die Nahrungssuche für die Bienen sehr schwierig. Damit das Wachstum des Volks beschleunigt und die Bienen ihre Winterreserven auffüllen konnten, wurde mit Zuckerwasser – das aus bestem Bio-Rübenzucker hergestellt wurde – zugefüttert. Das Zuckerwasser wurde in ein spezielles Futterrähmchen und einen zusätzlichen Holzaufsatz eingefüllt, aus denen die Bienen das Zuckerwasser dann auflecken und in die Wabenzellen füllen konnten.

Die Varroa-Milbe

Neben der ausreichenden Versorgung mit Nahrung spielt die Behandlung gegen die Varroa-Milbe eine äußerst wichtige Rolle. Diese Milbe wurde vor Jahren aus Asien eingeschleppt und vermehrt sich seitdem unaufhaltsam in den Bienenstöcken. Das Weibchen der Varroamilbe schlüpft in die Brutwaben, in der sich Bienen entwickeln. Sie lässt sich in der Wabenzelle mit einschließen und legt dann Eier. Die geschlüpften Varroa-Milben parasitieren die Bienenpuppe und saugen Hämolymphe. So entwickeln sich Bienen mit verkrüppelten Flügeln oder aber Bienen, die viel kleiner sind als normal. Die Bienen selbst können sich nicht gegen die eingeschleppte Varroa-Milbe wehren, und so muss der Imker eingreifen. Christoph Assel legte kleine Blöcke mit Ameisensäure in den Bienenstock. Die Säure verdampft und tötet einen Großteil der Milben durch Übersäuerung und Hemmung der Atmung. Richtig angewandt, werden die Bienen durch diese Behandlung natürlich nicht geschädigt. Doch auch, wenn die Ameisensäure Varroa-Milben tötet, die in den Wabenzellen mit eingeschlossen sind, überleben immer einige Parasiten. Die Anzahl wird aber deutlich reduziert und somit ist die Belastung für das Bienenvolk geringer.

Zukunft für das Bienenvolk

Nicht nur die Varroa-Milbe allein setzt den Bienen zu, auch der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden und die intensive Bewirtschaftung der Grünflächen haben ihren Anteil. Ohne Bienen gibt es nur wenig Bestäubung und somit wenig Obst und Gemüse! Viele Pflanzenarten sind auf Bienen angewiesen, um sich vermehren zu können, und somit ist der Mensch auf die Bienen angewiesen, um sich richtig ernähren zu können… Das OIKOPOLIS-Bienenvolk kann zum Glück Pollen und Nektar auf den Wiesen des nahegelegenen Naturschutzgebiets Schlammwiss einsammeln und kommt somit kaum in Kontakt mit Herbiziden und Pestiziden.
Unserem Volk drücken wir ganz fest die Daumen! Wir hoffen, dass es seinen ersten Winter gut übersteht und nächstes Jahr richtig loslegen kann. Wir alle behalten die neuen „Mitarbeiterinnen“ im Auge und werden sie in ihrer Arbeit kräftig unterstützen.