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Abb.: René Becker von "Terre de Liens"

Gegenseitige Inspiration: „Terre de Liens“ trifft BIOG und NATURATA

22.4.2013


Als René Becker am 16. April den Vortragssaal im Münsbacher OIKOPOLIS-Zentrum betrat, war dieser bis auf den letzten Platz besetzt. Das Interesse am französischen Modellprojekt „Terre de Liens“, dessen Mitbegründer und aktueller Präsident René Becker ist, war gewaltig, wie sich auch in der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde zeigen sollte.
Während gut eineinhalb Stunden brachte Becker das Kunststück fertig, bürokratische Hindernisse und menschliche Herausforderungen, auf die das visionäre Projekt gestoßen ist und immer noch stößt, unterhaltsam zu schildern und dennoch punktgenau zu analysieren.

„Die Erde geht uns alle an“

So entstand ein komplexes Bild des Projekts, das Parallelen in Belgien und Großbritannien hat und womöglich sogar Nachahmer in Luxemburg finden könnte: mittels einer Kommanditgesellschaft Investoren anzuwerben, ohne sich der Bestimmungsmacht der Kapitalgeber auszuliefern. Statt dessen werden die eingeworbenen Mittel über eine gemeinnützige Stiftung für den „Freikauf“ von Bodenflächen und Bauernhöfen genutzt. Diese wiederum werden satzungsgemäß erfahrenen Landwirten oder aber hoch motivierten und intensiv geschulten „Néo-Ruros“ zur biologischen Bewirtschaftung überlassen. Letztere ist eine Bedingung, zu deren Einhaltung sich die „Pächter“ vertraglich verpflichten müssen.
Innerhalb weniger Jahre hat „Terre de Liens“ mit diesem für alle Beteiligten zukunftsweisenden Vorgehen bei zahllosen Städtern ein lebendiges Bewusstsein dafür geschaffen, „dass die Erde sie etwas angeht“. Und der Erkenntnis folgte das Handeln: über 30 Millionen Euro haben rund 8.000 Aktionärinnen und Aktionäre oder viel mehr Kommanditisten, bislang zusammengebracht, die nun im Sinne der Stiftung den Ökolandbau in Frankreich voranbringen. Dabei dürfen die Geldgeber wählen, in welche Region und sogar, in welches Projekt die von ihnen zur Verfügung gestellten Mittel fließen. Schließlich soll das Projekt allen Gutes tun: der Erde, den Biobauern und den an deren Erzeugnissen interessierten Verbrauchern.

Den Weg des Bio-Lebensmittels vom Hersteller zum Verbraucher bezeichnet Becker allerdings als verbesserungsfähig. Hofläden und regionale Bauernmärkte seien bislang das Mittel der Wahl. Inspirierend findet er demgegenüber das Luxemburger Modell: die Verbindung von Biobauern-Genossenschaft, eigenem Grossisten und eigenen Bioläden. „Vielleicht können wir voneinander lernen“, meint er und lädt die Zuhörer ein, beim nächsten Frankreich-Urlaub einen der zahlreichen von „Terre-de-Liens“ ermöglichten Landwirtschaftsbetriebe zu besuchen. Manche nehmen sogar Gäste auf, und Öffentlichkeitsarbeit brauchen sie alle.

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