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Abb.: Auch Einkommensunterschiede innerhalb eines Landes oder eines Unternehmens wurden in Frage gestellt: was ist sozialverträglich?

Rückblick: Leitwert Gemeinwohl

19.12.2012


Einen starken Appell lancierte der österreichische Systemkritiker und Attac-Mitbegründer Christian Felber Ende November in Münsbach. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „OIKOPOLIS am Dialog“ warb er für ein „Wirtschaftsmodell mit Zukunft“ – auf breiter Basis. Seit Jahren legt er in immer neuen Büchern dar, dass Kooperation statt Konkurrenz den Ausweg aus der Krise weisen kann.

Seine jüngste Veröffentlichung, 2010 unter dem Titel „Gemeinwohl“ erschienen, hat einen regelrechten Boom ausgelöst. Mehr als tausend Privatpersonen, Politikerinnen und Politiker, Initiativen und Unternehmen haben sich bis heute der Idee angeschlossen.

In Luxemburg hatte das demokratische Projekt bis letzten Monat noch keine aktiven Anhänger. Nach den Vorträgen, die Christian Felber kürzlich auf Einladung der OIKOPOLIS-Gruppe und des Prabbeli in Münsbach und Wiltz gehalten hat, könnte sich das bald ändern.


Ökonomie widerspricht Verfassungsgarantie


Besonders Vortrag und Seminar im OIKOPOLIS-Zentrum zogen neben zahlreichen interessierten Privatleuten auch etliche Unternehmer und sogar Vertreter des Wirtschaftsministeriums an, die sich mit dem Konzept der Solidarwirtschaft befassen – genau die richtige Publikumsmischung für den engagierten Visionär Felber. Beredt stellte er einen weit verbreiteten Widerspruch zwischen politischem Anspruch und ökonomischer Realität heraus, der auch kritische BürgerInnen stört: während die Verfassungen vieler Staaten das Wohl des ganzen Volkes, sprich das Gemeinwohl, als Leitstern der Politik bezeichnen, herrschen zumindest auf wirtschaftlicher Ebene Konkurrenzdenken und das Streben nach individueller Gewinnmaximierung vor. Sogar ganze Staaten gehorchen dieser vermeintlich zwingenden Systemlogik und liefern sich einen harten Wettbewerb um Arbeitsplätze.

In Münsbach betonte Christian Felber, das von ihm vorgestellte, zwischenzeitlich von über hundert Pionier-Unternehmen und noch mehr engagierten Einzelpersonen weiter entwickelte Modell einer „Gemeinwohl-Ökonomie“ ziele „nur“ darauf, die in den Verfassungstexten verankerten Richtwerte tatsächlich umzusetzen. In diesem Sinne hat er mit Gleichgesinnten eine Gemeinwohlmatrix entwickelt, die aktuell 17 überprüfbare, für Unternehmen also bilanzierungsfähige, Kriterien rund um die zentralen Werte Menschenwürde, Solidarität, Ökologische Nachhaltigkeit, Soziale Gerechtigkeit sowie Demokratische Mitbestimmung und Transparenz auffächert.

Je mehr Mitstreiter, desto näher rückt die Vision Die weitere Entwicklung ist offen. Je mehr Unternehmen, Institutionen und Privatleute das bisher Erarbeitete in der Praxis weiter erproben und in der Theorie weiter durchdringen, desto präziser wird das begriffliche Instrumentarium der Gemeinwohl-Ökonomie werden. Irgendwann, so die mitreißende Vision Felbers, soll diese zum allgemein akzeptierten und vor allem praktizierten Richtwert wirtschaftlichen Handelns werden. Zur Mitarbeit rief der Systemkritiker, der längst zum international gefragten Dauerreferenten geworden ist, ausdrücklich alle Anwesenden auf. Schließlich sollte es gerade im „Herzen Europas“ vielen Menschen ein Herzensanliegen sein, universellen Werten zum Durchbruch zu verhelfen.


Weitere Informationen zum Gemeinwohl-Projekt unter www.gemeinwohl-oekonomie.org